Mostrando las entradas con la etiqueta Germany. Mostrar todas las entradas
Mostrando las entradas con la etiqueta Germany. Mostrar todas las entradas

29 may 2026

Rilke Projekt - Du, Ich bin



 RILKE AN LOU ANDREAS-SALOMÉ 

in München, 9. Juno 1897, Mittwoch abends.

                    

Von Dir durch Regengassen stehle

Ich mich so schnell und mir geschieht,

Daß jeder, der des Weges zieht,

Die selige, erlöste Seele

In meinen Augen flammen sieht.


Und ich will ängstlich auf der Reise

Mein Glück verbergen vor dem Hauf.

Ich trag es heim in schnellem Lauf;

Erst tief in Nächten schließ’ ichs leise

Wie eine Gold'ne Truhe auf.


Da gibt es reiche Kronenreiser,

Und Sterne sind als Steine drin.

Und Keiner ahnt es. Du, ich bin

Bei meinen Schätzen wie ein Kaiser

Und weiß von meiner Kaiserin.


Dann hol’ ich seine gold’nen Schätze

Aus dunkler Tiefe Zoll für Zoll

Und weiß nicht, was ich schauen soll;

Denn meiner Stube alle Plätze

Sind übervoll, sind übervoll.


Es ist ein Reichthum ohne gleichen,

Wie ihn die Nacht noch nie geschaut,

Wie ihn die Nacht noch nie bethaut;

Und  m e h r‚ als je an Liebeszeichen

Empfangen eine Fürstenbraut.


Da gibt es reiche Kronenreiser,

Und Sterne sind als Steine drin.

Und Keiner ahnt es. Du, ich bin

Bei meinen Schätzen wie ein Kaiser

Und weiß von meiner Kaiserin.

R.M. Rilke

Día de otoño


Señor: es hora. Largo fue el verano.

Pon tu sombra en los relojes solares,

y suelta los vientos por las llanuras.

Haz que sazonen los últimos frutos,

concédeles dos días más del sur,

úrgeles a su madurez y mete

en el vino espeso el postrer dulzor.

No hará casa el que ahora no la tiene,

el que ahora está solo lo estará siempre,

velará, leerá, escribirá largas cartas,

y deambulará por las avenidas,

inquieto como el rodar de las hojas


Rainer Maria Rilke,
traducción de Jaime Ferreiro


«Herbsttag»


Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke
21-9- 1902, París

Traducción